Msgr. Winfried Pilz und Pfr. Lothar Zenetti gestorben

„Laudato si!“ – Zum Tod von Msgr. Winfried Pilz am 23.2.2019
„Was keiner wagt, das sollt ihr wagen!“ – Zum Tod von Pfr. Lothar Zenetti am 24.2.2019

Kurz hintereinander sind zwei Persönlichkeiten verstorben, die wirksam zu einem neuen Singen und einem neuen Beten in der Kirche anregten.

Winfried Pilz, geb. 1940 im Sudetenland, 1966 in Köln zum Priester geweiht, hat lange Jahre als Diözesanjugendseelsorger und Rektor von Haus Altenberg gewirkt und prägte bundesweit die katholische Jugendarbeit, bevor ihm überdiözesane Aufgaben anvertraut wurden: Referent im Jugendhaus Düsseldorf, dann Präsident des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“.

Und: Er war ein Mann der Ökumene. Sowohl der christlich-jüdischen als auch der inner-christlichen: Die Begegnung mit den Glaubensgemeinschaften im Orient war ihm ebenso  Anliegen wie Selbstverständlichkeit (und brachte ihm die Titulatur als Archimandrit ein) wie die innerdeutsche zwischen Ost und West und zwischen evangelisch und katholisch. Lange Jahre war er – neben dem ebenfalls charismatischen und ähnlich dominanten evgl. Pastor Uwe Seidel (1937-2007) – prägende Kraft beim alljährlichen ökumenischen Kreuzweg der Jugend, der jedes Jahr hunderttausende Jugendliche der christlichen Konfessionen in Deutschland Ost und West mit neuen Bildern, Texten und Liedern „in Gang brachte“.

Der charismatische Seelsorger hatte vielseitige Begabungen, auch als Komponist und Dichter von Neuen Geistlichen Liedern. Zweifellos am bekanntesten davon ist das Lied „Laudato si“ mit einem Text in Anlehnung an den Sonnengesang des Franz von Assisi. Die Melodie hatte Winfried Pilz („WiPi“) in Italien bei einem Gebetstreffen zur Vertiefung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils in den 1970er Jahren gehört.

Im SINGLES-Liedblatt gibt es Werke von ihm unter den Nummern 15a, 72 und 296. Zum vom / BDKJ /AK SINGLES herausgegebenen Liedbuch „SINGEN“ (2. Auflage 2014) hatte er noch das Geleitwort verfasst.

Internet:

für den Arbeitskreis SINGLES im BDKJ Erzdiözese Köln,
Februar 2019
Peter Deckert mit Thomas Quast


Lothar Zenetti
, geb. 1926 in Frankfurt/M., wirkte nach seiner Priesterweihe als Kaplan, Stadtjugendseelsorger, Pfarrer und Dekan im Bistum Limburg. Einem breiten Publikum bekannt wurde er durch seine Gebets-, Gedicht- und Liedtexte. Themen waren vor allem der Wandel der Kirche aus christlicher Hoffnung. Seine knappen, manchmal ironisch-provokanten Gedichte erzählen von einem bodenständigen Glauben. Er hat fast 30 Lyrikbände veröffentlicht (von herausragender Bekanntheit und Verbreitung: Texte der Zuversicht, 1972); über 150 seiner Gedichte wurden vertont. Alleine im SINGLES-Liedblatt sind 22 Lieder von 15 verschiedenen Komponist/inn/en veröffentlicht. Sein wohl bekanntestes Lied ist „Das Weizenkorn muss sterben“ (GL 210, SINGLES 292).

Neben eigenen Dichtungen hat er auch den niederländischen Lyriker und Theologen Huub Oosterhuis übersetzt, hier wiederum am bekanntesten seine Übersetzung von „Ik sta voor u“ als „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ (GL 422). Zenettis Gedicht „Was keiner wagt“ wurde auch über die Kirche hinaus bekannt durch die Vertonung des Liedermachers Konstantin Wecker, im SINGLES Liedblatt jedoch als Erstveröffentlichung in der mitreißenden Vertonung des Kölner Komponisten Heinz Martin Lonquich (Lied 12 im LB 2) und einschließlich des bei Wecker weggelassenen Rahmenverses „Das Kreuz des Jesus Christus“.

Herausgehoben werden muss auch seine schriftstellerische Tätigkeit zum Thema „Neues und zeitgemäßes Singen“. In die teils hitzige Diskussion schaltete er sich schon früh ein mit dem Beitrag „Spirituals und Gospel-Songs – eine Möglichkeit für uns?“ (in: Jazz in der Kirche, Hrsg. Werkgemeinschaft Lied und Musik, 1966). In seinem Buch „Heiße (W)Eisen. Jazz, Spirituals, Beatsongs, Schlager in der Kirche“ (München 1966) entwickelte er seine Vorstellungen von einem neuen Lied der Christen, das auf der Höhe der Zeit steht und aus einem erneuerten Glauben kommt. Eines der wichtigsten Bücher zur Entwicklung des neuen Liedes!

Internet:

„Das Kreuz des Jesus Christus durchkreuzt, was ist, und macht alles neu“,
heißt die Refrainzeile in Zenettis Liedtext „Was keiner wagt“.

In diesem Sinne mögen die beiden jetzt auch in ihren Gebeten und Liedern bei Gott „neu gemacht“ werden!

für den Arbeitskreis SINGLES im BDKJ Erzdiözese Köln,
Februar 2019
Peter Deckert